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04.07.2012

Modellprojekt in Bad Füssing:

MusikMedizin statt Schmerztabletten

Musik kann den Blutdruck senken und Depressionen mildern. In einer klinischen Studie wird jetzt im Orthopädiezentrum Bad Füssing erforscht, inwieweit spezielle Musik bei chronischen Schmerzpatienten das Depressionsrisiko und den Schmerzmittelverbrauch senkt.

Bad Füssing - Starke Schmerzen, vor allem chronische Schmerzen beispielsweise in Rücken und Gelenken können Depressionen auslösen. Die Ärzte erleben dies täglich im Behandlungsalltag. "Depressions- und Rückenschmerzpatienten haben ein dreifach höheres Risiko jeweils von beiden Erkrankungen betroffen zu sein", sagte Professor Dr. Wolfgang Beyer, Medizinischer Direktor des Orthopädiezentrums Bad Füssing. Die Klinik geht deshalb jetzt ganz neue Wege, um diese Menschen aus ihrem schmerzbedingten Stimmungstief zu befreien: mit einer "Musiktherapie für chronische Schmerzpatienten".

Die Wirkung der Musiktherapie gegen starke Schmerzen wird derzeit im Orthopädiezentrum des bayerischen Kurorts Bad Füssing erforscht. Bisherige Erfahrungen zeigen: Die Kraft der sanften Töne kann den Schmerzmittelbedarf bei Menschen mit chronischen Schmerzen senken. Foto: Kur-& GästeService Bad Füssing

Von dem neuen Therapiekonzept profitieren derzeit bereits 50 Patienten. 90 sollen es werden. Die Reha-Gäste beteiligen sich an einer Studie bei der die Hälfte der Patienten mit den Methoden der klassischen Reha und die zweite Gruppe dazu noch mit "musikalischer Medizin" therapiert wird. Die Behandlung läuft jeweils drei Wochen, die Gesamtstudie seit Anfang 2012 und bis Ende 2013. Auch die Roseneckklinik in Prien am Chiemsee ist daran beteiligt.

Musik auf Rezept zwischen den Bad Füssinger Thermen ist garantiert nebenwirkungsfrei und, das zeigen die bisherigen Erfahrungen, erwiesenermaßen wirkungsvoll. Entwickelt wurde das Konzept und komponiert wurden die verwendeten heilwirksamen Klangstücke an der Paracelsus-Universität Salzburg. Dort haben die Wissenschaftler auch festgestellt: Die Wirkung der Musiktherapie geht deutlich über die eigentliche Therapiedauer hinaus. Sie wird überdies von den Patienten sehr positiv beurteilt - auch weil dabei keinerlei körperliche Aktivität des Patienten gefordert wird.

Die "klingende Arznei" wirkt im Gehirn: die speziell komponierten Stücke weisen intensive Klanghöhen und Tiefen aus, sind ein Mix aus Sopran-Frauenstimme, Wellenrauschen und Streichorchester. Statt Tabletten gibt es für die Teilnehmer Kopfhörer und zwei jeweils 30 Minuten lange Stücke pro Tag, eines zum körperlich aktiv werden am Morgen, das andere zur langsamen Entspannung beim Liegen.

"Die intensiven Klänge stimulieren Gehör und Gehirn und führen zu stimmungsaufhellenden Hormonausschüttungen", sagt  Marcel Dietrich vom Forschungsbüro des Orthopädie-Zentrums. Nach Berichten der Ärzte und Therapeuten sind die Patienten begeistert: "Alle die anfangen, bleiben dabei und berichten von der spürbaren Wirkung", so Marcel Dietrich. Kostensparender Nebeneffekt des Experiments für Patienten und auch die Klinik: Der Bedarf an Schmerztabletten sinkt spürbar.

Bad Füssing - Motor für die Kurort-Medizin

Bei der Entwicklung neuer Therapiemethoden, insbesondere in Kombination mit Thermalwasser ist Bad Füssing seit vielen Jahren Motor und Trendsetter. Tai Chi, die chinesische Bewegungstherapie, im Thermalwasser, die heilende Kombination von Thermalwasser und Fango, "Knieoperationen ohne Skalpell und Narkose" und viele anderen Meilensteine in der Behandlung von Gelenk- und Rücken-Problemen: Sie alle wurden entweder in Bad Füssing entwickelt oder hier perfektioniert.

Auch das ein Beweis: Trotz Rückgang der ambulanten Badekuren bleibt Bad Füssing mit seinen vier großen Kliniken, den 34 frei praktizierenden Ärzten sowie weit über 100 Physiotherapeuten und Masseuren ein wichtiges medizinisches Kompetenzzentrum für die Weiterentwicklung der Kurortmedizin in Europa.


Bad Füssinger Reportage-Preis 2012
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